#builtwithbosch Event

Von Mittwoch bis Freitag war ich auf Einladung von Bosch Professional als Teilnehmer der Veranstaltung fromProtoPro in Berlin. Eingeladen waren die #buildwithbosch Tester, zum gegenseitigen Austausch und auch, um sich mit den Verantwortlichen der verschiedenen Bereiche direkt auszutauschen. Im folgenden gibt es einen ausführlichen Bericht über die Inhalte der Veranstaltung und eine kurze Version zu dem Rundum.

Keynote:

Als Eröffnungsrede gab es einen kurzen Abriss welche Veränderungen der Boschkonzern vorhat. Es geht um die Wandlung weg vom Automobilzulieferer (das macht gut die Hälfte vom Umsatz aus, wenn nicht mehr) hin zu einem Anbieter von Service. Man setzt hier auf die Schlagwörter:

  • Sensors (Actors)
  • Software
  • Services

Es gab einen kurzen Abriss wie man Entwicklungen, als Beispiel den Beschleunigungssensor aus der Satellitentechnik, verkleinert (ESP im Auto) und miniaturisiert/verbilligt (Lagesensor im Handy) aus einem High End Markt massentauglich bekommt. Man möchte anfangen, vorhandene und zukünftige Systeme soweit zu verknüpfen das man letzten endes die Produktivität in vielen Bereichen steigern kann. Vom Temperatursensor im Spargelfeld der mit der Wettervorhersage verknüpft wird um dem Bauern zu sagen das er die Folie auf Schwarz drehen muss weil es in 1-2 Tagen zu kalt für optimales Wachstum wird hin über Gebäudesteuerung bis hin zu Navigationssystemen, die alle Verkehrsmöglichkeiten von PKW über ÖPVN bis hin zu Car- und Bikesharing nutzen um nach persönlichen Vorlieben möglichst schnell vorwärts zu kommen.

 

Im Bereich Werkzeuge spielt sich das ganze dann in der Connectivity ab, dazu später mehr.

In der ersten Station war ich im Bereich Cordless Power.
Hier gab es als erstes einen kurzen Abriss wie die LiION Akkus aufgebaut sind. Dann wurde gezeigt, warum der neue ProCore 84% mehr Leistung abgeben kann. Mit diesen Akkus kommt man bei zweilagigen Akkus auf einen Output von knapp unter 1600W.

Am Stand war nicht nur jemand vom Marketing, sondern der Stand wurde vom Leiter der Akkuentwicklung betreut. Dieser zeigte mit Hilfe einer steuerbaren Last und einer Wärmebildkamera, wie die Coolpack Technologie die Wärme aus dem Akku an die Oberfläche bringt.
Ein paar Basics, die vielen Anwendern nicht bewusst sind aber in der LiIon Technick wichtig sind wurden auch noch einmal wiederholt:

  • LiIon Akkus mögen keine Wärme. Umso wärmer die Zellen ent- oder beladen werden, umso mehr Kapazität verlieren sie dabei. Der Grund für die in meinen Augen führende Rolle der Akkus von Bosch ist eben, das diese im Einsatz schneller die Wärme nach außen bekommen. Der Akku fühlt sich zwar wärmer an, ist innen aber kühler.
  • Einreihige Akkus sind zwar leichter, aber für Geräte wie GWS, GKS oder GSA nur bedingt geeignet, da sie aufgrund ihrer inneren Verschaltung nicht die gleichen Ströme wie zweireihige liefern können. Daher kann man die Geräte zwar damit betreiben, Spaß macht es aber keinen.
  • Bosch hat im ProCore zwar die Akkuelektronik auf die neue mögliche Leistung angepasst, ist aber weiter voll abwärtskompatibel. Damit liefert man Akkus, die bei gleicher nutzbarer Kapazität mehr Leistung liefern und dennoch in den ersten 18V Schrauber passen.

Als Gimmick wurde noch ein Seilzug mit einer Palette Putzsäcke über einen 18V Akku angetrieben. Der Vergleich der ProCores mit dem FlexVolt System war auch sehr eindrucksvoll.

Meine Meinung zu der Station:
Bosch Akkus haben nicht ohne Grund ihren guten Ruf. Die Leute in der Entwicklung stehen voll hinter ihren Produkten und leben auch das 18V System. Der Vorteil des ProCore Systems liegt für mich auf der Hand: Man kann alle Akkus überall laden und verwenden, hat die gleiche Leistung wie DeWalts FlexVolt System aber eine wesentlich längere Laufzeit da DeWalt im 54V Betrieb die Zellen im Akku umverdrahtet und damit die Voltzahl verdreifacht und die Kapazität drittelt. Gehe ich dann vom aktuellen GWS mit 18V Akku aus, bedeutet es, das der Akku nach 2,5 Minuten leer wäre während der Eneracer 8 Minuten und der Procore dann nochmal mehr schafft. Zusätzlich ist FlexVolt ein neues Format das man nicht überall einstecken kann.
Die neuen Akkus liefern genug Power, jetzt müssen nur noch die Geräte kommen die dann auch den Strom abnehmen und verwenden können. Hier sehe ich als Zeitfenster 2018/2019.

Die nächste Station war active Protection:
Nach einem kurzen Abriss warum technischer Arbeitschutz wichtig ist ging es an die Geräte. Es wurde die Kickback Control Funktion am GWS und am GSB vorgeführt, bei GSR 18V-85C eindrucksvoll mit einem Schlangenbohrer der mit einem dicken Nagel blockiert wurde. Ich selbst habe diese Funktion schon bei GBH, GSR und GWS zu schätzen gelernt, ich möchte sie nicht missen. Beim GWS 18V-125 SC wurde noch die Drop Control vorgeführt indem er laufen in eine Box fallen gelassen wurde. Aktive Vibrationsdämpfung wurde im Vergleich von der aktuellen Säbelsäge im Vergleich zu einer Milwaukee gezeigt.

Dieses Feature wird kaum wahrgenommen, aber auch im Vergleich zu meiner GSA 18V-LI C ist der Unterschied deutlich spürbar. Als Highlight, auch eines der Highlights des Tages, gab es die “Reaxx” Tischkreissäge zu sehen. Hier wurde die Auslösung und der schnelle Wechsel der Sicherheitskartusche demonstriert.

Solche Techniken werden in den USA ja jetzt Pflicht, man arbeitet an der europäischen Einführung der Säge. Dabei soll auch wert auf Präzision gelegt werden um das Geschlabber der GTS 10 XTC zu vermeiden. Im Moment hat die Säge noch die Führungen wie in den USA üblich im Tisch. In diese würden die Incra Schienen passen die spielfrei einstellbar sind. Entweder man baut etwas gleichwertiges ab Werk, oder lässt uns die Möglichkeit der Umrüstung *bitte*.
Zum Schluss konnten wir noch an einem Schrottauto rumschnibbeln, das macht natürlich immer Spaß.

Meine Meinung zur Station:

Arbeitsergonomie und Arbeitssicherheit waren hier klar der Fokus. Bosch nimmt hier seine Rolle als Hersteller ernst. In der Arbeitssicherheit gibt es die Regel, das Sicherheit nach dem TOP Prinzip zu schaffen ist: Technisch, Organisatorisch (Arbeitsanweißung…), Persönlich (e Schutzausrüstung). Dabei ist zu versuchen, die Reihenfolge einzuhalten. Bei stationären Maschinen ist das seit Jahren einfach, CNC Maschinen laufen erst los wenn die Tür zu ist. Im handgeführten Bereich hat Bosch jetzt über die Maschinenfirmware und dem Bewegungssensor viele kritische Fälle abgesichert. Die Abschaltung eines GBHs mit Kickback Controll ist einer ausgelösten Rutschkupplung immer vorzuziehen, da es verschleißfrei funktioniert. Allerdings muss ich hier das Thema GWS nochmal aufgreifen: Das Ding braucht ne Bremse. Sonst machen die neuen Versionen mit Totmannschalter auch nicht so richtig Sinn. Man ist an dem Thema dran, wenn wir Glück haben, nimmt man vielleicht die Methode wie bei den Kabelgeräten an: zwei Modelle, eines mit, eines ohne Bremse. Neu entwickelt muss ja nichts werden.
Zur GTS: Ich bin gespannt was da kommt. Als erstes muss man sich jetzt mit Festool einig werden, die haben vor kurzem SawStop gekauft. SawStop hält die Patente, die es Bosch unmöglich machen, die Säge in den USA im Moment direkt zu verkaufen. Ich denke, wir erwarten alle eine Säge, die entweder wesentlich spielfreier wird oder einfach nachzurüsten ist. Für letzteres müsste man nur den Tisch in den US-üblichen Nutmaßen lassen. Der Preis muss dennoch weit genug unter der CS70 (Nachfolgerin mit SawStop?) liegen damit sich das Gerät verkaufen lässt.
Mein weinender Smiley geht an den Menschen, der die Vehicle Rescue Blätter nicht eingepackt hat obwohl man extra ein Auto zum Zerlegen besorgt hat. WEINENDER SMILEY!!!!

Als dritte Station war  smart solutions dran:

Hier wurde ausführlich das TrackMyTools System und auch kurz die zugehörige App vorgestellt. Wir konnten Livedaten eines GSRs beim bohren über das Bluetooth Modul sehen. Zum Schluss gab es noch einen Schraubwettbewerb. Es fand noch ein Gedankenaustausch statt. Ich möchte hier kurz meine Gedanken zum TrackMyTools System aufzeigen. Vorraussetzung ist natürlich, dass man das im Betrieb einsetzen möchte.

  • Es fehlt eine Blackbox die man in den Transporter klebt und so einfach sehen kann, was wo ist, ohne das man einem Mitarbeiter den Auftrag zum Scannen geben muss. Meiner Meinung nach OHNE GPS, sonst rutscht man sofort in die Mitarbeiterüberwachung. Einfach nur ein Scanner mit nem GSM Modul, der ins System funkt welche Chips er alles sieht.
  • Wenn ein Scan gestartet wird, werden ja automatisch alle Chips im Funkbereich erfasst. Wichtig wäre mir, das nicht nur meine, sondern alle gescannten Chips ans System übertragen werden. Im Webinterface/ der App zu sehen bekommt jeder Betrieb nur seine eigenen, wenn er aber alle gescannten Chips auf den Bosch Server übertragen werden, “explodiert” der gescannte Bereich für die Betriebe. Dann kommen wir auch in den Bereich, das ein Wiederfinden nach einem Diebstahl/Verlust interessant wird.

Beim Thema Synergien und Dokumente/Garantieregistrierung kamen folgende Punkte zur Diskussion:
Connected Devices wissen genau, wer sie sind. Seriennummer, Name, Herstelldatum. Diese Daten könnte man direkt in die Garantieregistrierung übernehmen. Wenn man dort auch noch den Kaufbeleg hochladen kann, hätte man alles online was im Garantiefall gebrauchen kann. Jetzt fehl aber noch die Verknüpfung, dass man Garantiedokumente für den Service freigeben kann und von dort auch einen Serviceauftrag starten kann. Oder auf der Onlineseite für den Serviceauftrag die Garantiedaten importieren kann.
Connected Devices werden immer mehr können. Künftige Generationen sollen Wunschdrehzahlen einstellen können via App, Dokumentation von Drehmomenten, eine Verschleißerkennung und ähnliche Daten werden technisch möglich. Ich denke, zusammen mit der Entwicklung weiterer Akkugeräte ist das ein spannendes Thema.

Im Weiteren gab es zwei Anwendervorführungen zweier Tester. Ich werde mich nicht lange aufhalten, die Jungs machen super Arbeit und haben einen Einblick in Ihre Arbeitsweise gegeben. Auch wenn mancher Manches anderst machen würde, so haben diese zwei doch die für sich wirtschaftlich und technisch beste Lösung gefunden und sind damit durchaus erfolgreich.

Eine davon war die von Jann:

 

Das “Drumherum”:

Ich wurde zur Veranstaltung eingeladen da ich mich über Facebook beworben hatte. Schon der erste Kontakt war super nett und freundlich, man fragte mich, ob ich darauf bestehen würde in der deutschsprachigen Gruppe zu sein. Da ich Englisch fliesend verstehe und, wie ich festgestellt habe, nur noch hackelig spreche, war es mir egal. Es gab während allen Teilen der Veranstaltung Übersetzer so dass jeder sowohl fragen konnte als auch die Antworten verstand.

Generell wurde auf Englisch veranstaltet. Die Themen waren gut ausgewählt, super vorbereitet und immer mit einem kleinen Gimmick um das ganze aufzulockern und dem ganzen eine Athmosphäre zu geben.
Es war keine Verkaufs- oder Lobhuddelveranstaltung, sondern ein Zeigen was man hat und wo man hinmöchte.
Alle anwesenden Mitarbeiter waren in meinen Augen hoch motiviert. Das BobTeam hat eine Super Veranstaltung organisiert, mir ist auch nichts aufgefallen was nicht gelaufen ist. Die Auswahl der Mitarbeiter aus Produktmanagment und Entwicklung war hochkarätig. Ich habe mich in keinem Gespräch unwohl gefühlt. Mein Eindruck war, dass man sich auf uns als Anwender gefreut hat und im direkten Kontakt Feedback einholen konnte. Anliegen und Anregungen wurden offen diskutiert, ich werde jetzt im Nachlauf auch noch einige eMails schreiben.
Die Idee war, eine Veranstaltung auf Augenhöhe zu organisiseren und das ist der gesamten Crew gelungen.

Man hat uns gerne gezeigt was man hat, woran man arbeitet und in welche Richtung es gehen wird. Unsere Meinung dazu mal direkt zu bekommen war sicher auch eine interessante Gelegenheit für Entwickler und Produktmanager.

Mir als Anwender hat die Veranstaltung das Gefühl gegeben, das ich mit dem Bosch System im für mich richtigen System bin.

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